In 5 Schritten zum kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP)

In 5 Schritten zum kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP)

26. Oktober 2023 | 6 Minuten Lesezeit

Stillstand ist Rückschritt – das gilt besonders in der heutigen, sich rasant wandelnden Wirtschaftswelt. Kontinuierliche Verbesserung ist kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit für Unternehmen und Organisationen, die langfristig erfolgreich sein wollen. Viele verlassen sich dabei auf eine informelle Herangehensweise nach dem Motto “Das machen wir schon irgendwie”. Das mag auf den ersten Blick pragmatisch erscheinen, birgt aber die grosse Gefahr, dass wertvolle Ideen deiner Mitarbeitenden, erkannte Fehlerquellen oder wichtige Verbesserungsvorschläge im Tagesgeschäft untergehen und ungenutzt bleiben. Um das volle Potenzial auszuschöpfen, braucht es eine systematische Erfassung, Nachverfolgung und Auswertung.

Bernhard Bühlmann, CEO

80% aller Ideen gehen verloren, weil sie nicht aufgeschrieben werden.

Bernhard Bühlmann, CEO ELIZA AG

Genau hier setzt der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) an. Ich zeige dir, wie du einen solchen Prozess systematisch und erfolgreich in 5 Schritten in deinem Unternehmen etablieren kannst:

Schritt 1: Schaffe die richtige Kultur – Etabliere eine Fehler- und Verbesserungskultur

Der Grundstein für jeden erfolgreichen KVP ist die Unternehmenskultur. Aus eigener Erfahrung weiss ich: In vielen Unternehmen werden Erfolge – selbst die kleinsten – laut gefeiert, während Misserfolge und Fehler lieber unter den Teppich gekehrt werden. Als Führungskraft erhält man so oft ein geschöntes, unvollständiges Bild der Realität. Dabei sind gerade Fehler, kritische Rückmeldungen von Kunden oder Verbesserungsvorschläge aus dem Team unglaublich wertvoll! Sie zeigen ungeschminkt, wo es hakt und wo Optimierungspotenzial liegt. Fördere daher aktiv eine positive Fehler- und Verbesserungskultur:

  • Fehler sind Lernchancen: Vermittle klar, dass Fehler passieren dürfen und als Chance zur Weiterentwicklung gesehen werden. Nicht die Fehlerfreiheit zeichnet erfolgreiche Menschen oder Teams aus, sondern die Fähigkeit, daraus zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen.
  • Keine Schuldzuweisungen: Wenn etwas schiefgeht, suche nicht nach Schuldigen, sondern konzentriere dich gemeinsam auf die Analyse der Ursachen und die Entwicklung von Lösungen. Eine “Blame Culture” führt nur dazu, dass Probleme aus Angst verschwiegen werden.
  • Anonyme Meldekanäle schaffen Vertrauen: Nicht jeder traut sich, Fehler offen anzusprechen. Biete daher einfache, anonyme Möglichkeiten (z.B. einen digitalen Briefkasten oder ein spezielles Formular), um kritische Ereignisse oder Verbesserungsideen zu melden, ohne Angst vor persönlichen Nachteilen haben zu müssen.

Schritt 2: Schaffe Klarheit – Definiere Prozesse und Verantwortlichkeiten

Der Geschäftsprozess Kontinuierliche Verbesserung als BPMN in ELIZA modelliert

Ein KVP lebt von klaren Strukturen. Damit Verbesserungsvorschläge nicht im Sand verlaufen, ist es entscheidend, eure wichtigsten Geschäftsprozesse zu kennen und klar zu definieren, wer wofür verantwortlich ist. Visualisiere eure Abläufe, zum Beispiel mit einer Prozesslandkarte. Diese Übersicht hilft nicht nur dabei, Schwachstellen zu identifizieren, sondern auch, die Zuständigkeiten klar zuzuordnen. Benenne für jeden relevanten Prozess eine verantwortliche Person (Prozesseigner). Diese Person ist der zentrale Ansprechpartner für alle Meldungen, die diesen Prozess betreffen, und kümmert sich um deren initiale Beurteilung, Bearbeitung und die Koordination der Umsetzung von Verbesserungsmassnahmen.

Schritt 3: Sammle wertvollen Input – Ideen und Verbesserungsvorschläge erfassen

Das Meldeformular für Verbesserungsvorschläge in ELIZA

Wie kommen die Ideen und Fehlermeldungen nun zu den richtigen Personen? Richte einen zentralen Kanal ein, idealerweise ein einfaches, digitales Formular. Dieses sollte so benutzerfreundlich und leicht zugänglich wie möglich sein – auch von unterwegs per Smartphone. Denke an das Zitat oben: 80% der Ideen gehen verloren, weil sie nicht sofort festgehalten werden! Mache es deinen Mitarbeitenden also so einfach wie möglich, ihre Beobachtungen und Vorschläge direkt dann einzureichen, wenn sie ihnen auffallen. Das Formular sollte die wichtigsten Informationen abfragen: Was wurde beobachtet (Fehler, Idee, Vorschlag)? Welcher Prozess oder Bereich ist betroffen? Wer meldet (optional bei anonymen Meldungen)? Nach Eingang der Meldung wird diese automatisch an das zuständige KVP-Team oder den Prozesseigner zur weiteren Analyse und Beurteilung weitergeleitet.

Schritt 4: Bewerte systematisch – Vorschläge analysieren und Massnahmen definieren

Q-Meldungen auf Kanban Boards sammeln

Eingehende Meldungen – seien es Verbesserungsvorschläge, Ideen, Fehlermeldungen, Kundenreklamationen oder sonstige Vorfälle – können unter dem Begriff Q-Meldungen zusammengefasst werden. Das “Q” steht dabei für Qualität, denn letztlich zielt jede dieser Meldungen darauf ab, die Qualität eurer Arbeit, Produkte oder Dienstleistungen zu steigern. Ein dediziertes Q-Team (oder die jeweiligen Prozesseigner) sichtet die eingegangenen Q-Meldungen regelmässig. Dabei geht es darum, die Meldungen zu verstehen, ihre Relevanz und Dringlichkeit zu bewerten und Prioritäten zu setzen. Nicht jede Idee kann sofort umgesetzt werden. Nutzt Werkzeuge wie Kanban-Boards, um den Überblick zu behalten und den Status jeder Meldung (z.B. “Neu”, “In Prüfung”, “In Umsetzung”, “Erledigt”) transparent zu machen. Definiert klare, messbare Umsetzungsmassnahmen für die ausgewählten Vorschläge.

Schritt 5: Setze um und lerne daraus – Umsetzung und Wirksamkeitsprüfung

Nach der Analyse und Priorisierung folgt die eigentliche Umsetzung der definierten Massnahmen. Die Q-Meldungen werden dazu an die zuständigen Stellen oder Personen zur Bearbeitung weitergeleitet. Wichtig ist hierbei die Verknüpfung der Q-Meldung mit dem betroffenen Geschäftsprozess. Warum? Weil du so über die Zeit wertvolle Daten sammelst und auswerten kannst: Bei welchen Prozessen häufen sich Probleme? Wo gibt es die meisten Verbesserungsvorschläge? Diese prozessbezogene Auswertung ist Gold wert für die strategische Weiterentwicklung deines Unternehmens. Doch mit der Umsetzung allein ist es nicht getan. Ein entscheidender, oft vergessener Teil des KVP ist die Wirksamkeitsprüfung: Hat die umgesetzte Massnahme das Problem tatsächlich gelöst oder die erwartete Verbesserung gebracht? Überprüfe die Ergebnisse nach einer angemessenen Zeit und dokumentiere die Erkenntnisse. Nur so stellst du sicher, dass der KVP-Kreislauf geschlossen wird und ihr kontinuierlich dazulernt.

Wie kann ELIZA dich dabei unterstützen?

Um einen strukturierten kontinuierlichen Verbesserungsprozess mit ELIZA aufzubauen und zu leben, benötigst du idealerweise folgende Module:

  • Organisation & HR: Erfasse eure Organisationsstruktur und Mitarbeitende, um Verantwortlichkeiten klar zuzuordnen und Q-Meldungen den richtigen Personen zuzuweisen.
  • Prozesse: Dokumentiere und visualisiere eure wichtigsten Geschäftsprozesse (z.B. als Prozesslandkarte), um Q-Meldungen direkt den betroffenen Abläufen zuzuordnen und Schwachstellen gezielt zu analysieren.
  • Spaces mit Kanban Boards: Organisiere die Bearbeitung der Q-Meldungen im Team transparent und effizient mit visuellen Kanban-Boards. Verfolge den Status jeder Meldung auf einen Blick.
  • Q-Meldungen: Stelle ein zentrales, einfaches Online-Formular zur Verfügung, um Q-Meldungen inklusive Beilagen (Fotos, Dokumente etc.) von überall und jederzeit zu erfassen und systematisch zu verwalten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was genau bedeutet KVP? KVP steht für Kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Es ist mehr als nur eine Methode – es ist eine Denkweise, eine Philosophie, die darauf abzielt, bestehende Prozesse, Produkte und Dienstleistungen in kleinen, aber stetigen Schritten permanent zu optimieren. Das übergeordnete Ziel ist eine fortlaufende Steigerung der Qualität, Effizienz und Kundenzufriedenheit.

Warum ist ein systematischer KVP-Ansatz so wichtig? Ein systematischer Ansatz verhindert, dass gute Ideen im Alltagsstress untergehen. Er stellt sicher, dass Verbesserungsvorschläge strukturiert erfasst, nachvollziehbar bewertet und konsequent umgesetzt werden. Das schafft Transparenz im gesamten Unternehmen, fördert die aktive Beteiligung aller Mitarbeitenden (da sie sehen, dass ihre Vorschläge ernst genommen werden) und ermöglicht letztlich eine messbare, nachhaltige Verbesserung der Unternehmensleistung.

Wie oft sollten KVP-Vorschläge überprüft und besprochen werden? Die Frequenz hängt natürlich von der Anzahl der eingehenden Meldungen sowie der Grösse und Dynamik deines Unternehmens ab. Als gute Praxis hat sich etabliert, regelmässige, kurze Treffen (z.B. wöchentlich oder zweiwöchentlich) des KVP-Teams oder der Prozessverantwortlichen einzuplanen. In diesen Meetings werden neue Meldungen gesichtet, priorisiert und die nächsten Schritte für die Bearbeitung festgelegt.

Ist KVP auch für kleine Unternehmen (KMU) geeignet? Absolut! KVP ist keine Methode, die nur Grosskonzernen vorbehalten ist. Im Gegenteil: Gerade kleine und mittlere Unternehmen können enorm von KVP profitieren, da sie oft flexibler sind und Verbesserungen schneller umsetzen können. Die hier vorgestellten 5 Schritte sind skalierbar und lassen sich problemlos auch in kleineren Teams und Organisationen anwenden. Der Schlüssel liegt im systematischen Vorgehen, nicht in der Unternehmensgrösse.

Bernhard Bühlmann

Bernhard Bühlmann

Bernhard Bühlmann ist Gründer der ELIZA AG, Experte für digitales Qualitätsmanagement und Innovator für effiziente QM-Lösungen in KMUs. …