Elektronische Signaturen in der Schweiz: Welche Lösung passt zu deinem Prozess?

Elektronische Signaturen in der Schweiz: Welche Lösung passt zu deinem Prozess?

22. August 2026 | 9 Minuten Lesezeit

Eine elektronische Unterschrift ist nicht einfach eine elektronische Unterschrift. In der Schweiz unterscheiden sich Lösungen unter anderem bei der Signaturstufe, beim Umgang mit mehreren Dokumenten, bei Beilagen und bei der Einbettung in bestehende Geschäftsprozesse.

Dieser Ratgeber vergleicht sechs Lösungen mit Schweizer Marktbezug: ELIZA Sign, eSignR, Skribble, DeepSign, actaSIGN und Certifaction. Er kürt keinen Testsieger. Stattdessen zeigt er, welche Fragen du vor der Auswahl klären solltest und welche Eigenschaften die Anbieter öffentlich dokumentieren.

Stand der Recherche: 4. September 2026. Funktionen und Angebote können sich ändern. Prüfe vor einem Entscheid die aktuelle Dokumentation des jeweiligen Anbieters. «Nicht öffentlich dokumentiert» bedeutet in diesem Artikel nicht «nicht unterstützt».

Das Wichtigste in Kürze

  • ELIZA Sign unterstützt einfache, fortgeschrittene und – mit aktiviertem eSignR-Backend – qualifizierte elektronische Signaturen direkt im ELIZA-Dokumenten- und Kontaktkontext. Die QES wird mit der Swisscom Mobile ID bestätigt.
  • eSignR von Glue AG ist eine leistungsfähige Schweizer Desktop-Lösung mit klarem QES-Fokus. REST API, CLI und Headless-Batch-Modus schaffen zudem eine starke Grundlage für Integrationen.
  • Skribble, DeepSign, actaSIGN und Certifaction dokumentieren ebenfalls EES, FES und QES, unterscheiden sich aber bei Dokumentenpaketen, Beilagen, Identifikation und Integrationsmodell.
  • Beilagen und mehrere signierbare Dokumente sind zwei verschiedene Funktionen. Beilagen werden nicht automatisch mitunterzeichnet.
  • Die richtige Lösung hängt zuerst von der erforderlichen Signaturstufe und danach vom gewünschten Prozess ab.
  • Ein Preisvergleich ohne identische Mengen, Signaturstufen, Identifikationskosten, Benutzerzahlen und Integrationsumfang wäre irreführend. Deshalb vergleichen wir hier keine Preise.

Zuerst klären: EES, FES oder QES?

In der Praxis begegnen dir drei Signaturstufen:

  • EES – einfache elektronische Signatur: für unkomplizierte Vorgänge ohne gesetzliche Schriftform, beispielsweise interne Bestätigungen oder formfreie Vereinbarungen.
  • FES – fortgeschrittene elektronische Signatur: mit zusätzlichen Anforderungen an Zuordnung und Nachweis.
  • QES – qualifizierte elektronische Signatur: Die QES mit qualifiziertem elektronischem Zeitstempel ist in der Schweiz der eigenhändigen Unterschrift gleichgestellt. Das hält Art. 14 Abs. 2bis des Obligationenrechts fest.

Welche Form für ein konkretes Dokument erforderlich ist, hängt vom Rechtsgeschäft und vom vereinbarten Prozess ab. Die Anbieterwahl sollte deshalb nicht mit einer Funktionsliste beginnen, sondern mit der Frage: Welche Signaturstufe brauchen wir wirklich?

ELIZA Sign kennenlernen →

Sechs Lösungen im Kurzvergleich

LösungDokumentierter Fokus
ELIZA SignEES und interne Passkey-FES; QES über das integrierte eSignR-Backend mit Swisscom Mobile ID; Signaturprozess für PDFs im ELIZA-Dokumenten- und Kontaktkontext
eSignRQES; starke Desktop-Lösung für vertrauliches Signieren sowie REST API, CLI, Headless-Batch-Modus und flexible Betriebsmodelle
SkribbleEES, FES und QES; eigenständige Plattform mit Identifikationsmöglichkeiten und API
DeepSignEES, FES und QES; Identifikation, Integrationen und Umschlag-Funktion für mehrere signierbare Dokumente
actaSIGNEES, FES und QES; Workflows, Stapelsignatur, Audit Trail, REST API und Webhooks
CertifactionEES, FES und QES; Dokumentvertraulichkeit, Stapelsignatur und Integration

Die Tabelle stellt keine Rangliste dar. Sie fasst nur Merkmale zusammen, welche die Anbieter auf ihren Produkt- und Hilfeseiten dokumentieren. Details zu Abonnement, Volumen und technischer Ausgestaltung müssen separat geprüft werden.

ELIZA Sign: EES, FES und QES im integrierten Prozess

ELIZA Sign richtet sich an Organisationen, die PDFs direkt aus ELIZA elektronisch unterzeichnen lassen möchten. Je nach Anforderung kann ein Auftrag als einfache elektronische Signatur (EES), als interne fortgeschrittene elektronische Signatur (FES) mit persönlichem Passkey oder als qualifizierte elektronische Signatur (QES) erstellt werden. Der Auftrag bleibt mit dem Dokumentenmanagement und den zugehörigen Kontakten verbunden.

Bei der QES steuert ELIZA den Auftrag, die Unterzeichnungsreihenfolge, die gewählte Position im Dokument und das Auditprotokoll. Das integrierte eSignR-Backend bringt die qualifizierte Signatur als PAdES nach Schweizer Rechtsraum (SIG-CH) an. Die unterzeichnende Person meldet sich mit ihrem eigenen eSignR-Konto an und bestätigt den Vorgang mit der Swisscom Mobile ID. ELIZA übernimmt das von eSignR gelieferte PDF unverändert. QES-Aufträge werden nacheinander unterzeichnet und müssen für die jeweilige ELIZA-Instanz freigeschaltet und konfiguriert sein.

Zu einem Signaturauftrag lassen sich mehrere nicht zu signierende PDF-Beilagen hinzufügen – entweder als Upload oder durch Auswahl bestehender Dokumente aus dem ELIZA-DMS. Sie dienen als Begleitunterlagen und werden nicht Teil des signierten Dokuments.

ELIZA Sign passt besonders, wenn:

  • das PDF bereits in ELIZA verwaltet wird;
  • Personen, Dokument und Signaturstatus im gleichen Arbeitskontext bleiben sollen;
  • du passend zum Dokument zwischen EES, FES und QES wählen möchtest;
  • interne und externe Personen in einem geführten Ablauf unterzeichnen sollen;
  • du für QES die eSignR-Technologie nutzen möchtest, ohne den ELIZA-Prozess zu verlassen.

Die Zusammenarbeit mit der Berner Glue AG ist damit technisch umgesetzt: eSignR bildet das QES-Backend von ELIZA Sign, während ELIZA den gesamten Fachprozess von der Dokumentauswahl bis zur Ablage des signierten Ergebnisses zusammenhält. Für die unterzeichnende Person bleiben eSignR-Konto, persönlicher Zugangscode und eingerichtete Mobile ID Voraussetzung. Der Zugangscode wird nur für die Anmeldung verwendet und nicht in ELIZA gespeichert.

Eine spezialisierte Plattform ist passender, wenn:

  • mehrere Dokumente gemeinsam als signierbares Paket behandelt werden sollen;
  • ein Signaturdienst unabhängig von ELIZA in mehreren Systemen eingesetzt werden soll;
  • andere Identifikations- oder Betriebsmodelle benötigt werden;
  • ein eigenständiger, systemübergreifender Signaturdienst gesucht wird.

eSignR: überzeugende Desktop-Lösung mit Integrationsstärke

eSignR stammt von der Berner Glue AG und ist besonders als Desktop-Lösung für qualifizierte elektronische Signaturen interessant. Dokumente können auf dem eigenen Computer signiert werden, ohne dafür in eine Dokumenten-Cloud geladen zu werden. Das ist ein überzeugender Ansatz für Organisationen, die Vertraulichkeit, Datenhoheit und eine direkte Arbeitsweise am Desktop verbinden möchten.

Für Softwareanbieter dokumentiert Glue AG mehrere Integrationswege: eine REST API, eine Kommandozeilenschnittstelle und einen Headless-Batch-Modus. Dazu kommen flexible Betriebsmodelle bis hin zu On-Premises-Varianten. Diese technische Offenheit macht eSignR nicht nur als eigenständige Anwendung, sondern auch als Technologiebaustein für Fachlösungen attraktiv.

In ELIZA Sign ist genau diese Integrationsstärke im QES-Ablauf umgesetzt: eSignR übernimmt die QES-Erstellung im Hintergrund, die unterzeichnende Person bestätigt ihre Willensbekundung per Swisscom Mobile ID und ELIZA führt danach mit dem signierten PDF weiter. Dadurch verbindet ELIZA den vertrauten Dokumentenprozess mit der spezialisierten QES-Technologie von eSignR.

eSignR passt besonders, wenn:

  • eine QES benötigt wird;
  • vertrauliche PDFs direkt am Desktop signiert werden sollen;
  • Datenhoheit und flexible Betriebsmodelle wichtig sind;
  • eine Integration über REST API, CLI oder automatisierte Batch-Prozesse geplant ist.

Skribble: drei Signaturstufen und breite Integration

Skribble dokumentiert EES, FES und QES nach ZertES und eIDAS. Für die Einbindung in andere Systeme bietet das Unternehmen eine E-Signatur-API an.

Auch Begleitunterlagen sind möglich. Laut Skribble können Anhänge hinzugefügt werden; diese werden nicht signiert und nicht im Skribble-Konto gespeichert. Das ist wichtig, wenn ein Hauptdokument unterschrieben, zusätzliche Informationen aber nur mitgeliefert werden sollen.

Skribble passt besonders, wenn:

  • je nach Dokument EES, FES oder QES benötigt wird;
  • Identifikation und Signatur in einer eigenständigen Plattform stattfinden sollen;
  • eine API-Anbindung an verschiedene Systeme geplant ist.

DeepSign: Anhänge und signierbare Umschläge getrennt

DeepSign dokumentiert EES, FES und QES sowie Integrationen und Identifikationsfunktionen.

Beim Dokumentenmodell unterscheidet DeepSign zwischen zwei Fällen:

  1. Anhänge versenden: zusätzliche Unterlagen begleiten den Vorgang.
  2. Mehrere Dokumente in einem Umschlag: mehrere Dokumente werden in einem gemeinsamen Signaturvorgang signiert.

Wenn die entsprechende Option aktiviert ist, können eingeladene Personen laut DeepSign Anhänge hinzufügen – jedoch nur, solange noch niemand unterzeichnet hat.

DeepSign passt besonders, wenn:

  • unterschiedliche Signaturstufen gebraucht werden;
  • mehrere signierbare Dokumente in einem gemeinsamen Vorgang liegen sollen;
  • Eingeladene vor der ersten Unterschrift zusätzliche Dateien beisteuern sollen.

actaSIGN: Workflows, Stapelsignatur und API

actaSIGN nennt in seiner Funktionsübersicht EES, FES und QES. Ausserdem dokumentiert der Anbieter unter anderem browserbasiertes Signieren, Stapelsignaturen, sequentielle und parallele Abläufe, einen Audit Trail, REST API und Webhooks.

Damit ist actaSIGN insbesondere als eigenständige Signaturplattform mit konfigurierbaren Abläufen positioniert. Ob und wie nicht zu signierende Beilagen in einem konkreten actaSIGN-Prozess behandelt werden, war in den für diesen Artikel geprüften öffentlichen Produktinformationen nicht eindeutig beschrieben. Das ist keine Aussage darüber, ob die Funktion unterstützt wird.

actaSIGN passt besonders, wenn:

  • mehrere Signaturstufen und konfigurierbare Workflows gefragt sind;
  • Stapelsignaturen Teil des Prozesses sind;
  • REST API oder Webhooks für eine Integration benötigt werden.

Certifaction: Dokumentvertraulichkeit und umfangreiche Signaturfunktionen

Certifaction dokumentiert in seiner Feature-Liste EES, FES und QES. Dort nennt der Anbieter ausserdem Schweizer Rechenzentren, einen Zero-Document-Knowledge-Ansatz, Stapelsignaturen, Integrationen und Anhänge ohne Signatur.

Bei Certifaction ist die Beilagenfunktion damit ausdrücklich als eigene Funktion ausgewiesen. Die Stapelsignatur wiederum betrifft das Unterzeichnen mehrerer Dokumente und ist nicht dasselbe wie das Mitsenden einer nicht signierten Beilage.

Certifaction passt besonders, wenn:

  • verschiedene Signaturstufen benötigt werden;
  • die technische Vertraulichkeit von Dokumenten ein zentrales Auswahlkriterium ist;
  • Stapelsignaturen oder nicht zu signierende Anhänge vorgesehen sind.

Beilage, Dokumentenpaket und Stapelsignatur: nicht verwechseln

Diese drei Begriffe beschreiben unterschiedliche Abläufe:

BegriffGemeint ist
Nicht zu signierende BeilageEine zusätzliche Datei wird zur Information mitgesendet, aber nicht unterzeichnet.
Mehrere signierbare DokumenteMehrere eigenständige Dokumente gehören zu einem gemeinsamen Signaturvorgang und müssen unterzeichnet werden.
StapelsignaturEine Person unterzeichnet mehrere Dokumente mit möglichst wenigen Bedienungsschritten.

Ein Anbieter kann eine dieser Funktionen unterstützen, ohne automatisch auch die anderen anzubieten. Frage deshalb nicht nur «Kann ich mehrere Dateien hochladen?», sondern präzise:

  • Welche Dateien werden tatsächlich signiert?
  • Bleiben die Dokumente einzeln oder werden sie zusammengeführt?
  • Können Eingeladene Dateien ergänzen?
  • Bis zu welchem Prozessschritt ist eine Ergänzung möglich?
  • Werden Beilagen gespeichert und später wieder bereitgestellt?

Sechs Fragen für deine Auswahl

1. Welche Signaturstufe ist notwendig?

Trenne gesetzliche oder vertragliche Formanforderungen von einem blossen Wunsch nach möglichst hoher Signaturstufe. Mehr Identifikation bedeutet meistens auch mehr Aufwand für die unterzeichnende Person.

2. Wo beginnt der Prozess?

Entsteht der Vorgang bereits in einem DMS, CRM oder Fachsystem? Dann kann eine integrierte Lösung den Kontext erhalten. Startet er unabhängig von einem bestehenden System, kann eine eigenständige Plattform geeigneter sein.

3. Was genau geschieht mit mehreren Dateien?

Definiere vorab, welche Datei unterschrieben wird, welche nur informiert und ob mehrere signierbare Dokumente als gemeinsamer Vorgang gelten müssen.

4. Wer darf Dokumente ergänzen – und wann?

Bei sensiblen Prozessen ist entscheidend, ob nur die auftraggebende Person oder auch Eingeladene Dateien hinzufügen dürfen und ob dies nach der ersten Unterschrift noch möglich ist.

5. Welche Integration brauchst du wirklich?

Eine API ist nicht automatisch eine fertige Integration. Prüfe Authentifizierung, Rollen, Webhooks, Fehlerbehandlung, Dokumentenrückgabe, Archivierung und die Verantwortung für den Gesamtprozess.

6. Wie vergleichst du die Kosten fair?

Lege dieselbe Berechnungsbasis fest: Anzahl Benutzer, Vorgänge, Dokumente und Unterschriften, Verteilung auf EES/FES/QES, Identifikationen, Speicher, Support, Branding und Integrationsaufwand. Erst dann sind Angebote belastbar vergleichbar.

Fazit: Der Prozess entscheidet, nicht die längste Funktionsliste

Es gibt keinen pauschal besten Anbieter für elektronische Signaturen. ELIZA Sign verbindet heute EES, die interne Passkey-FES und die QES über eSignR in einem integrierten Dokumentenprozess. eSignR überzeugt zugleich als eigenständige Schweizer Desktop-Lösung und als produktiv eingesetzte QES-Technologie im Hintergrund von ELIZA Sign. Eigenständige Signaturplattformen bleiben besonders interessant, wenn ein systemübergreifender Dienst, andere Betriebsmodelle oder komplexe Dokumentenpakete im Vordergrund stehen.

Die sinnvollste Auswahl entsteht deshalb in dieser Reihenfolge:

  1. rechtliche und fachliche Anforderungen klären;
  2. Dokumentenmodell definieren;
  3. Beteiligte und Identifikation festlegen;
  4. Integration und Betrieb prüfen;
  5. erst danach Funktionen und Preise vergleichen.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ist keine Rechtsberatung. Bei rechtlich oder regulatorisch relevanten Signaturprozessen empfehlen wir eine Prüfung des konkreten Anwendungsfalls durch eine qualifizierte Fachperson.

Quellen und Recherchestand

Geprüft am 4. September 2026:

Bernhard Bühlmann

Bernhard Bühlmann

Bernhard Bühlmann ist Gründer der ELIZA AG, Experte für digitales Qualitätsmanagement und Innovator für effiziente QM-Lösungen in KMUs. …